Due Diligence
„Woher kommt das Geld?“ — die eine Frage, die du immer stellen solltest
Es gibt eine Frage, die in fünf Sekunden gestellt ist und die dich vor Jahren Ärger bewahren kann. Sie lautet nicht, wie hoch die Rendite ist. Sie lautet: Woher kommt das Geld?

Wenn ich mir ein Investment ansehe, interessiert mich die Renditezahl zuerst überhaupt nicht. Zahlen kann jeder auf eine Folie schreiben. Was mich interessiert, ist die wirtschaftliche Quelle dahinter. Denn Geld entsteht nicht aus Marketing. Irgendjemand muss irgendwo eine Leistung erbringen, ein Risiko übernehmen oder einen Vorteil monetarisieren — sonst kommt der Ertrag aus der Einzahlung des nächsten Anlegers. Und dann bist du nicht Investor, sondern Teil des Problems.
Vier legitime Renditequellen
- Wirtschaftliche Leistung: Ein Unternehmen produziert, verkauft, verdient. Du bist am Ergebnis beteiligt.
- Risikoübernahme: Du trägst ein Risiko, das andere nicht tragen wollen, und wirst dafür bezahlt — Kredit, Absicherung, Illiquidität.
- Zeit- und Informationsvorteile: Jemand kann Preisunterschiede oder Ineffizienzen nutzen. Das ist real, aber begrenzt skalierbar.
- Wertsteigerung eines Assets: Angebot, Nachfrage, Knappheit. Kein Automatismus, sondern eine Wette mit Argumenten.
Wenn ein Anbieter seine Erträge keiner dieser Kategorien zuordnen kann, ist das kein Detailproblem. Das ist das Problem.
Ein Investment, dessen Ertragsquelle du nicht in zwei Sätzen erklären kannst, hast du nicht verstanden — egal wie gut die Präsentation war.
Wie du die Frage in der Praxis stellst
Frag nicht: „Ist das sicher?“ Darauf antwortet jeder mit Ja. Frag stattdessen konkret und lass dir die Kette erklären, bis sie bei etwas Nachprüfbarem endet.
- 1Wer erzeugt den Ertrag — welches Unternehmen, welcher Markt, welche Tätigkeit?
- 2Wer bezahlt am Ende die Rendite, und warum ist er bereit, das zu tun?
- 3Was passiert mit meinem Geld zwischen Einzahlung und Anlage — welche Zwischenstationen und Gebühren gibt es?
- 4Wer verdient an meiner Einzahlung, unabhängig davon, ob ich Gewinn mache?
- 5Was müsste passieren, damit dieses Modell nicht mehr funktioniert?
Die letzte Frage ist die wichtigste. Wer sein eigenes Modell nicht kritisieren kann, hat es entweder nie zu Ende gedacht oder will es nicht erklären. Beides ist ein Grund, Abstand zu halten.
Warnsignale in den Antworten
- Erklärungen, die mit „das ist ein Algorithmus“ enden und danach nicht konkreter werden.
- Renditen, die immer gleich hoch sind, obwohl die Märkte schwanken.
- Geheimhaltung als Verkaufsargument — „das kann ich dir nicht sagen“ ist kein Qualitätsmerkmal.
- Der Fokus liegt darauf, neue Anleger zu gewinnen, statt Erträge zu erwirtschaften.
- Ausweichen bei der Frage nach Auszahlungen: Bedingungen, Fristen, Belege.
Warum ich selbst so vorgehe
Ich investiere mein eigenes Geld. Deshalb gehe ich jedes Modell erst einmal von der Verlustseite an. Ich habe in rund zwölf Jahren gute und schlechte Entscheidungen getroffen, und die schlechten hatten fast immer die gleiche Ursache: Ich habe die Ertragsquelle nicht sauber zu Ende geprüft, weil die Geschichte gut klang.
Woher kommt das Geld? Wenn diese Frage keine klare Antwort hat, ist das schon die Antwort.
Wenn du gerade ein konkretes Angebot vor dir hast und unsicher bist: Schick es mir per WhatsApp. Ich sage dir, welche Fragen ich dazu stellen würde. Vielleicht kommst du zu einem anderen Ergebnis als ich — das ist völlig in Ordnung. Entscheiden musst du am Ende selbst.
Alternative und gehebelte Investments sind hochriskant. Je nach Investment ist ein Totalverlust möglich. Investiere niemals Geld, das du zum Leben brauchst.
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Alternative und gehebelte Investments sind hochriskant. Je nach Investment ist ein Totalverlust möglich. Investiere niemals Geld, das du zum Leben brauchst.
Häufige Fragen zu diesem Thema
Hinweis: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Er beschreibt die persönliche Sichtweise von Markus Simon. Alternative und gehebelte Investments sind hochriskant; je nach Investment ist ein Totalverlust möglich.
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